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Osterbrauchtum

Pfarrer Funken: «Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest»
 

Stolberg. Heute versinnbildlicht das Abendmahl im Sonntagsgottesdienst das gesamte Osterfest, vom Abendmahl, über den Leidensweg bis zur Kreuzigung am Karfreitag und der Auferstehung des Heilands am Ostersonntag.

Die heiligen drei Tage - das Tridurum - beginnen mit dem Gründonnerstag. «Das Grün im Gründonnerstag stammt nicht von der Farbe, sondern vom Wort Greinen, das soviel heißt wie Weinen», erklärt der Geistliche. Denn an diesem Tag begann das Leiden des Gottessohnes.

«Im Garten Gethsemanie hat Jesus vor Angst Blut geschwitzt, weil er wusste, was auf ihn zukommt. Er betete zu Gott, dass dieser den Leidenskelch an ihm vorüberziehen lassen möge.» Doch schon bald habe Jesus das Ansinnen Gottes verstanden und gesagt: «Vater, nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe.»

«Das Leiden Jesu ist eine wichtige Komponente für den Glauben und das Gottesbild im Christentum. Durch das selbst erlebte Leiden der Menschen in Gestalt seines eigenen Fleisches und Blutes überwindet Gott die Distanz zum Menschen und entwickelt ein Verständnis für ihre Not», ist Pastor Funken überzeugt.

«Jesus selbst hat genau diese Notwendigkeit seines Leidens für Gott verstanden, als er im Garten Gethsemanie betete. Nur durch sein elementares Vertrauen und seinen Kontakt zu Gott ist es ihm überhaupt gelungen, den Leidensweg zu ertragen.»

Der Karfreitag, der Todestag Jesus am Kreuz, ist für die Christen der Trauerfreitag schlechthin. «Dann steht die Kirche buchstäblich Kopf», sagt Funken. Der Altar sei ganz «nackt», der Tabernakel stehe offen und das Weihwasser werde aus den Becken geleert. «An diesem Tag feiert die Kirche die Liturgie vom Leiden und Sterben unseres Herren Jesus Christus.» Zu Beginn der Todesstunde Jesu um 15 Uhr zieht der Priester mit seinen Ministranten in die Kirche ein und legt sich flach auf den Boden. «Er unterwirft sich ganz dem Willen Gottes.»

Sonst gibt es nur Stille im Gotteshaus. Ebenso am Karsamstag: Auch am Tag der Grabesruhe Jesu herrscht in den Kirchen allerorts Stille. Ihr höchstes Fest feiern die Christen jede Woche. Denn: «Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest», weiß Pfarrer Hans-Rolf Funken. Und das nicht nur, weil jeden Sonntagmorgen ein Frühstücksei auf dem Tisch steht.

An jedem ersten Tag der Woche feiert die christliche Gemeinde im Gottesdienst das Abendmahl zum Gedenken an das letzte Mahl Jesus mit seinen Jüngern. «Beim Abschiedsmahl am Donnerstag, bevor er seinen Leidensweg antrat, brach Christus Brot, reichte Wein und sagte: ,Tut dies zu meinem Gedächtnis'», beschreibt Pastor Funken die Ereignisse am Gründonnerstag.

Auf den Altarstufen liegt lediglich das Kreuz, das heilige Grab. «Erst am Abend beginnt um 17.30 Uhr die Osternacht. Wir versuchen einen ökumenischen Akzent zu setzten.»

Funken weiter: «Deshalb starten wir in der Vogelsangkirche, wo Pfarrer Andreas Hinze und Vikar Weinrich meditative Impulse geben.» Anschließend erfolge die Weihe des Osterfeuers, ehe die Christen gemeinsam nach St. Lucia ziehen, wo zum Abschluss eine Agape mit Brot und Wein anstehe.

«Am Ostersonntag ist Jesus schließlich wieder auferstanden, und damit schließt sich der Kreis», verdeutlicht der Theologe. Jesus habe das Böse durch den Tod am Kreuz besiegt und Gott, der Herr über das Leben, habe seinen Sohn auferweckt.

«Die Auferstehung des Gottessohnes ist der zentrale Punkt des christlichen Glaubens. Damit steht und fällt das Christentum», belegt der Pfarrer die Wichtigkeit des Osterfestes. Weihnachten hätte zwar in den Köpfen der Bevölkerung einen höheren Stellenwert, aber für den gläubigen Christen sei dies die eigentliche Geburtsstunde des Christentums.

«Die Leute sind schließlich nach dem Tod Jesus zur Verkündung der frohen Botschaft in die Welt gezogen und für den Glauben an die Auferstehung sogar in den Tod gegangen», erinnert Funken an die Zeit der Christenverfolgung.

Das Festhochamt, das am Ostersonntag um 10 Uhr in St. Lucia und um 11.15 und 19 Uhr in St. Maria Himmelfahrt gefeiert wird, verdeutlicht die Freude der Christen über die Auferstehung Jesu und damit ihrer eigenen nach dem Tod. Und genau das ist es, was das Abendmahl am Gründdonnerstag eingeleitet hat.

Nalini Dias, 29.03.2002 18:15

 

Fasten mit «Mönchs-Bräu»: Vorösterliche Eifeler Bräuche
 

Nordeifel. Es ist vieles nicht mehr so, wie es einmal war. Auch die Fastenzeit nicht. In vergangener Zeit, so schreibt Adam Wrede in seiner «Eifeler Heimtkunde», «wurde das 40-tägige Fasten, der ernsten Veranlagung der Bauern und ihrer kirchlichen Erziehung entsprechend, streng durch Enthaltsamkeiten und Gebetsübungen eingehalten».

In den Kirchen wurden Gebetsandachten gehalten, «in den Familien wurden die abendlichen Gebetsübungen verstärkt», und «in älterer Zeit nahm man sonntags nach der Andacht noch einen besonderen Bußgang auf sich». Männer, in rauhes Sackleinen gehüllt und mit schweren hölzernen Kreuzen beladen, «Habitmänner» genannt, schritten inmitten der Prozessionen.

Und es wurde gefastet! Höchstens eine volle Mahlzeit gab es pro Tag, und die guten Tropfen wurden in den Keller verbannt. Für die Mönche in den Klöstern waren die Lebensregeln noch strenger. Aber sie wussten sich zu helfen. Denn eigentlich sollte ja nur auf feste Nahrung weitgehend verzichtet werden. Vom Trinken war, streng genommen, keine Rede.

So kam es nicht von ungefähr, dass die noch heute beliebten schweren, dunklen Biere «Mönchs-Bräu» waren. Da mag es auch in der Fastenzeit in Klöstern recht munter zugegangen sein, denn schweres Mönchsbier auf leeren Mägen, das konnte seine belebende Wirkung nicht verfehlen.

Es ist ein uralter Brauch, am Palmsonntag zur Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem in der Kirche Buchsbaumzweige zu weihen, gleichsam der abendländische Ersatz für Palmen. Nach dem Gottesdienst oder nachmittags spazierte man über die Saatfelder und steckte gesegnete «Pälmchen», Buchsbaumzweige, ins Feld.

Bis in unsere jüngste Vergangenheit zogen die Klapperjungen durch die Dörfer. Mancherlei Brauchtum ist in Vergessenheit geraten, bedauert Adam Wrede. So habe man am Gründonnerstag in der Abteikirche zu Prüm kleine Hostien auf die Gläubigen rieseln lassen, die das biblische Manna symbolisieren sollten.

In den Dörfern der Südeifel seien in der Karwoche, vor allem aber am Gründonnerstag, dem «Mendeltag», Mendelbrötchen gebacken worden, die in der Kirche gesegnet und zu Hause gemeinsam verzehrt wurden, «offenbar,» so Wrede, «zur Erinnerung an das Brot, das Christus am Tage der Fußwaschung reichte».

Am heiligen Karfreitag wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts Bußgänge, Prozessionen veranstaltet. Da sah das Volk Jonas im Walfisch, von vier Leuten getragen, fromme Lieder singend. Sogar Samson zog, mit des Esels Kinnbacken die Philister verdreschend, mit. Adam Wrede hat sich berichten lassen: «Das alles war zu komisch, um zu Andacht und Beschaulichkeit anregen zu können.»

Solche Darstellungen mit dem sich daraus entwickelnden Unfug, so Adam Wrede, «erschienen schließlich auch der kirchlichen Behörde abwegig und wurden verboten».

Die Klapperjungen erhielten Karsamstag Geschenke, vornehmlich Eier. Wo in Familien drei oder mehr Burschen beim Klappern mit von der Partie waren, gab es für die Ostertage reichlich Eier zu essen, eine Bereicherung des Speiseplanes, mit der viele kleine Leute fest rechneten.

Der Küster brachte Weihwasser in die Häuser, und auch er wurde mit Eiern beschenkt. Selbst der Pfarrer bekam seine Ostereier. Er erhielt für jedes Beichtkind zwei Eier; zwei für jeden Jungen und jedes Mädchen, die schon zum Tisch des Herrn gegangen waren. Über diese Abgabe wurde sorgfältig Buch geführt.

Die Ostereier bildeten an einigen Stellen den letzten Rest der früheren Einkünfte des Pfarrers, die gutenteils aus Naturerzeugnissen bestanden. Mit der Feier der Auferstehung um Mitternacht endete die 40-tägige Fastenzeit und begann das Osterfest.

 

(-kv-), 27.03.2002 14:35
 

AZ Hier und heute 27.03.2002:

Geheimnisvolle Rituale von Gründonnerstag bis Ostern

Höhepunkt des Kirchenjahres steht bevor - „Greinen" und „Kar'

Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf." Dieses frühe christliche Bekenntnis findet sich im ersten Korintherbrief des Apostels Paulus. Es fasst das Fundament des christlichen Glaubens zusammen,

die Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, die Botschaft von Ostern. Das Gedächtnis an Leiden, Tod und Auferstehung ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. In der Liturgie der Kirche wird das geschichtliche Heilsgeschehen vergegenwärtigt. Das Osterfest geht auf die früheste Kirche zurück und ist das ritenreichste aller christlichen Feste.

 

Berlin. Seit dem Konzil von Nizäa wird Ostern alljährlich am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Ostern liegt damit zwischen dem 22. März und dem 25. April. Da die orthodoxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Tagen. Es gibt aber Bestrebungen, dass alle Christen weltweit Ostern am selben Tag feiern.

Die eigentliche Vorbereitung auf Ostern beginnt am Palmsonntag, an dem die Christen des feierlichen Einzugs Jesu in Jerusalem gedenken. Palmen galten im alten Palästina als Zeichen der Königswürde und des Friedens. In der Karwoche werden dann in einer so genannten Chrisam-Messe die Öle geweiht, die bei der Sakramentenspendung, bei Taufe, Firmung, Krankensalbung und Priesterweihe, verwendet werden. Schon in der Heiligen Schrift steht das Öl für Gesundheit, Lebensfreude, Kraft und Frieden.

Abendmesse erinnert an das Letzte Abendmahl

Mit dem Gründonnerstag beginnen die „heiligen drei Tage". Der Name Gründonnerstag geht vermutlich auf das mittelhochdeutsche Wort „Greinen" oder „Grienen" zurück, was so viel wie „wehklagen" bedeutet. An diesem Tag wurden die Sünder, die Buße geleistet hatten, die „Greinenden", wieder in die Gemeinde aufgenommen. Die Abendmesse am Gründonnerstag erinnert an das Letzte Abendmahl Jesu, bei dem er das Priestertum und die heilige Eucharistie einsetzte. Als Zeichen der dienenden Liebe wusch Jesus vor dem Mahl seinen Jüngern die Füße. Diesen Brauch, der seit dem Konzil von Toledo 694 bekannt ist, wieder-

holen am Gründonnerstag bis heute in vielen Kirchen Priester oder Bischöfe. Als Ausdruck der Trauer verstummen während der Messe Orgel und Glocke und schweigen bis zur Osternacht. Weiteres Zeichen der Anteilnahme am Leiden

Christi ist die Verhüllung von Kreuz und Altar. Und in vielen Gemeinden werden bis zum Karfreitag Nachtwachen gehalten. Für evangelische Christen ist der Karfreitag der höchste Feiertag des Jahres. Die katholische Kirche kennt am Karfreitag wie auch am Karsamstag keine Eucharistiefeier. Zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr

.versammeln sich die Katholiken stattdessen zu einem Gottesdienst, der sich von allen anderen Feiern während des Jahres unterscheidet. Im Mittelpunkt steht die Kreuzverehrung sowie das fürbittende Gebet für die Kirche und die ganze Welt. Der Karsamstag ist der stillste Tag im Kirchenjahr. An diesem Tag verweilt die Kirche am Grab des Herrn, betrachtet seinen Abstieg in das Reich des Todes und erwartet seine Auferstehung. Das Wort „Kar" kommt ebenfalls aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Kummer". Das eigentliche Osterfest ist vor dem Hintergrund der jüdischen Passahfeier entstanden.

Feuer gilt als Symbol für die Sonne

Bereits im sechsten Jahrhundert begann die Osterliturgie in den Abendstunden des Samstags. Zu Beginn der Feier werden zunächst Osterfeuer und -kerzen gesegnet. Das Feuer gilt dabei als Symbol für die Sonne, die erst Leben ermöglicht. Dann ruft die Gemeinde in sieben Lesungen aus dem Alten Testament die großen Stationen der Heilsgeschichte in Erinnerung. Nirgends in der Bibel ist die Auferstehung beschrieben, nirgends ist davon die Rede, dass jemand sie beobachtet hat. Es gibt aber Berichte über Erscheinungen des auferstandenen Jesus, über die Auffindung des Leeren Grabes und die Verkündigung eines Engels von der Auferstehung. Christen ist die Auferstehung Jesu Gewähr dafür, „dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst den Tod siegen wird", wie es im Erwachsenen^Katechismus der Deutschen Bischofskonferenz heißt. (kna/dpa)

Eier

Als Symbol der Lebensfülle und -kraft kommt dem Ei nichts gleich. Bereits in vorchristlicher Zeit finden sich Eier als Beigaben in römisch-germanischen Gräbern. In China gab es Eier zur Geburt eines Sohnes, in Persien zum Neujahrsfest. Christen nutzten das Oval früh als Sinnbild der Auferstehung: Die Schale hält das Wesentliche verborgen, aus ihr entspringt Leben. Professor Reinhard Hilbig von der Uni Stuttgart-Hohenheim erkennt im Ei „ein komplettes Lebenserhaltungssystem mit Eiklar, Dotter, Eihaut und einer Harnblase". Das Gelb hält Fett, Kohlenhydrate und Vitalstoffe pur bereit, das Weiß Protein, die Eihaut lässt atmen und die Mini-Harnblase hat das ovale Wesen „zum Pippimachen". Für Hilbig ist es „Lebewesen, Embryo" und Vitalbombe. Es gibt kein Nahrungsmittel, das in so wenig Raum so viel Nährkraft birgt. (kna)

 

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