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AZ Geilenkirchen Stadt & Land 6. Mai 2002

Rasante Entwicklung zum Hightech-Staat

Geilenkirchen präsentiert Finnland: Auftaktveranstaltung mit Detmar Grolmann, Generalkonsul von Finnland

Von Kirsten Barth

„Europa muss von unten her zusammenwachsen. Wir müssen nur die Menschen zusammenbringen!" Diesen Wahlspruch hat sich Geilenkirchen auf die Fahnen geschrieben. Seit 1996 stellt die Garnisonsstadt als Beitrag zur Vereinigung der europäischen Nationen in jedem Jahr ein europäisches Land vor. Nachdem in den vergangenen Jahren Irland, die Niederlande, Griechenland, Schweden, Frankreich und Italien präsentiert wurden, wird die Veranstaltungsreihe in diesem Jahr mit dem Slogan „Geilenkirchen blickt auf Europa: 2002 Finnland" fortgesetzt. Die finanzielle Trägerschaft hat der Geilenkirchener Stadtverband der Europa-Union unter Vorsitz von Prof. Dr. Gerd Wassenberg übernommen.

Geilenkirchen, Finnen und Deutsche sind von dieser Art der kulturellen Zusammenarbeit begeistert. In überaus herzlicher Atmosphäre gaben Bürgermeister Franz Beemelmanns und Detmar Grolmann, Generalkonsul von Finnland in Düsseldorf, bei der Auftaktveranstaltung im Haus Basten den Startschuss für insgesamt 15 Einzelveranstaltungen, die dieses geographisch am nordöstlichen Rand Europas gelegene Partnerland und seine kulturelle Vielfalt transparenter machen sollen. Grolman lobte in seiner Festansprache den Einsatz Geilenkirchens für Europa. Referate, Farblichtbildervorträge, eine Studienreise, ein Finnland-Fo-rum, Kinderlesungen, Konzerte und verschiedene Ausstellungen erwarten die interessierten Besucher. Ein finnischer Abend am Freitag, 15. November, mit Musik und finnischer Folklore wird das Finnland-Jahr im Herbst beschließen. Seit 1995 ist Finnland Mitglied der Europäischen Union. Als einziges nordisches Land hat es im Januar 2002 zusammen mit den europäischen Partnerländern den Euro eingeführt. Schon dadurch dokumentieren die Finnen, denen nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweilig ihre Neutralitätshaltung im Ost-West-Konflikt vorgeworfen wurde, ihre Liebe und Zuneigung zu Europa. Prof. Dr. Hannes Saarinen, Leiter des Finnland-Institutes in Deutschland mit Sitz in Berlin, brachte dem interessierten Publikum in seinem Vortrag

 

Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Geilenkirchen: Pianist Ville Enckelmann, Bürgermeister Franz Beemelmanns, Generalkonsul Detmar Grolman und Gattin Dorothea, Prof. Dr. Hannes Saarinen und Kulturamtsleiter Karl-Heinz Nießen (v.l.). Foto: Kirsten Barth
„Finnland zwischen Ost und West" die kulturellen und politischen Hintergründe der finnischen Geschichte nahe. Wie war der Weg zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union? Wie hat sich dieses Land, das seit 1917 selbstständig ist und sich diese Unabhängigkeit auch über schwierige Zeiten hinweg bewahrt hat, entwickelt? Kulturell und wirtschaftlich besitzt Finnland schon seit dem Mittelalter enge Verbindungen zu Mitteleuropa. Über 600 Jahre als Teil des Königreiches Schweden und 100 Jahre Autonomie innerhalb des Russischen Reiches haben den politischen und sozialen Werdegang dieses Volkes geprägt. Durch die eigene Sprache, Kultur und nicht zuletzt durch seine geographische Lage an der Schnittstelle zwischen Ost und West stellt Finnland einen ganz besonderen und interessanten Fall der nordischen Geschichte dar. Wirtschaftlich betrachtet hat Finnland in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. In seiner rasanten Entwicklung vom Industrie- um Hightech-Staat steht das nordische Land in Sachen Effizienz den USA kaum nach. Wichtigster Handelspartner der 5,2 Millionen Finnen ist die Bundesrepublik Deutschland. 110 finnische Unternehmen sind in Deutschland tätig, weit über 400 deutsche Unternehmen haben sich inzwischen in Finnland angesiedelt. ,Mein Land sieht sich als Brücke zwischen Nordeuropa, Russland and Mitteleuropa", schloss Hannes Saarinen seinen Vortrag und lud alle ein, sich Finnland einmal selbst anzusehen. Musikalisch umrahmt wurde die informative Eröffnungsveranstaltung durch den finnischen Pianisten Ville Enckelmann. Der junge Künstler dokumentierte mit Werken von Oskar Merikanto, Toivo Kuula und Heino Kaski die Eigenständigkeit und Schönheit der finnischen Musik. Die folgende Ausstellungseröffnung „Vorhistorische Felsmalerei in Finnland" traf auf großes Interesse.

Vorhistorische Felsmalereien

Ausstellung in Haus Basten zeigt „schlichte Volkslieder"

Geilenkirchen. „Vorhistorische Felsmalereien in Finnland": Im Rahmen der Eröffnungsfeier zur Veranstaltungsreihe „Geilenkirchen blickt auf Europa: 2002 Finnland" fand im Haus Basten zeitgleich die Vernissage dieser sehenswerten Ausstellung statt. Professor Dr. Hannes Saarinen, Leiter des Finnland-Institutes in Deutschland mit Sitz in Berlin, führte in die Ausstellung ein. Die Geschichte der Funde der finnischen Felsmalerei geht auf das Jahr 1911 zurück, als der Komponist Jean Sibelius die ersten Bilder am See Vitträsk in Südfinnland entdeckte. Seitdem folgten Funde in insgesamt 64 Orten, vornehmlich Ost- und Südostfinnland. Es ist anzunehmen, dass bis heute noch nicht alle in Finnland existierenden Bilder entdeckt wurden, sind doch ihre Fundstellen oft nur schwer auszumachen und die finanziellen Ressourcen zu ihrer weiteren Entdeckung gering. Fast alle Zeichnungen und Malereien befinden sich über der Oberfläche unter freiem Himmel - und nicht versteckt, wie die manchmal mehrfarbigen und ausdrucksstarken Höhlenmalereien. Das klare Licht und die Natur Skandinaviens haben die Figuren fast graphisch vereinfacht und die Malereien farblich auf verschiedene Rottöne beschränkt. Charakteristische Motive sind Menschen, Elche, Hirsche, Geweihe, Boote, Netze, Schlangen, Vögel und Fische. Die Entstehung, der Ursprung der Zeichen und ihre Bedeutung sind vielfach rätselhaft. Die Malereien berichten über das Leben „gewöhnlicher" Menschen an den Ufern finnischer Gewässer, über ihre Gedanken, Glaubensvorstellungen, ihre Wanderungen und ihr Vermögen, in der harten Natur zu bestehen. Es sind keine Kreationen einer protzigen Hochkultur, sondern in ihrer heutigen Form schlichte „Volkslieder". Die nordischen Felsbilder sind echte Umweltkunst für den Wanderer mit offenem Sinn für Erlebnisse und Erfahrungen. Sie sind nicht immer leicht zu finden; wer sie aufsuchen will, hat sichtbare und unsichtbare Grenzen zu überwinden. „Man muss aus der Beschränkung der eigenen Kultur heraustreten in die freie Natur und verhalten lauschen, denn Felsmalereien sind stille Bilder, deren Stimme in Zeiten vor Jahrtausenden zurücktragen", so Prof. Dr. Hannes Saarinen. Pekka Kivikäs hat die Felsmalereien aufgezeichnet, für diejenigen von uns, die neugierig auf die Vergangenheit sind und den Weg nach Finnland noch nicht gefunden haben. 1996 erhielt er für seine Arbeiten den renommierten Tieto-Finlandia-Preis.

Heute dienen die historischen Felsmalereien auch als Vorlage für Schmuckstücke und wunderschöne Textildruckserien, die bei der Vernissage ebenfalls an Beispielen zu bewundern waren. (kb)

Prof. Dr. Hannes Saarinen führte in die Ausstellung „Vorhistorische Felsenmalereien in Finnland" ein. Foto: Kirsten Barth

 

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