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Vaasa

Gründung und Name
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Foto: Svenna Martens
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Die Gründung und
Namensgebung der Stadt Vaasa geschah 1606/1611
durch den schwedischen König Karl IX. Er verlieh der Stadt den Namen seines
Adelsgeschlechts "Wasa". Vaasa feiert also 2006 sein 400-jähriges Bestehen.
Kirche, Marktplatz und
Rathaus bildeten das Zentrum der Stadt, welches etwa 7 km südwestlich vom
heutigen, neuen Stadtzentrum entfernt liegt. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde
das Schloss Korsholm und die Kirche Sankta Maria errichtet, die noch heute als
Ruine in Alt-Vaasa zu sehen sind. Sowohl die Seefahrt als auch die Industrie
wurde durch den zollfreien Handel belebt und gestärkt. Im 17. Jahrhundert
entstand die erste Schule, im 18. Jahrhundert das Hofgericht, sowie die erste
Bibliothek Finnlands.
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Foto: Svenna Martens
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Vaasa, die Stadt mit dem schwedischen Namen, ist meines
Wissens die nördlichste Möglichkeit sein Doppeldiplom zu erlangen. Vaasa liegt
übrigens in Finnland und hat mit Knäckebrot genauso wenig zu tun wie ihr Gründer
Gustav Vasa .
Schauergeschichten von -40
Grad kalten feuchten Seewinden ließen mich dem dortigen Klima mit gesundem
Respekt begegnen. Am Ende war es dann aber doch recht erträglich, die
Temperaturen schwankten von -5° bis - 15° und ich als Kieler erlebte den ersten
richtigen Winter meines Lebens.
Unbeschreiblich das Erlebnis, mit einem Bier
in der Hand aus der Sauna zu kommen und auf den total eingeschneiten Marktplatz
herabzublicken. Auf das Herumwälzen im Schnee sollte man innerorts jedoch
verzichten, es ist dort ebenso unüblich wie die gemischte Sauna ohne Handtuch.
Ohne Sauna steht man den Winter nicht durch, aber zum Glück gehört sie zu jedem
Mietshaus, genauso wie eine komfortable Waschküche.
Vaasa zählt zwar nur knapp 60Tsd Einwohner,
hat jedoch nach finnischen Maßstäben einen vergleichbaren Stellenwert wie Kiel.
Man findet daher an Infrastruktur und sonstigen Einrichtungen alles, was man zum
Leben braucht (Flughafen,. Gute Eisenbahnverbindungen, Einkaufszentren etc. ).
Dazu kommt, dass in der Stadt an die 15Tsd Studenten leben, so dass das
Nachtleben angesichts der Größe der Stadt ungewöhnlich abwechslungsreich und
interessant ist. Interessant ist auch die zweisprachige Umgebung, der schwedisch
sprachige Bevölkerungsanteil liegt bei 25% in der Stadt und über 90% auf dem
Land.
Die Finnlandschweden sind gerne unter sich,
man kann daher gezielt bestimmte Kneipen und Veranstaltungen aufsuchen um sein
Schwedisch aufzubessern.
Beeindruckend an Finnland im Allgemeinen und
der Fachhochschule Vaasa im Speziellen ist die internationale Ausrichtung.
Selbst in Regionalzügen erfolgt jede Durchsage in Finnisch, Schwedisch und
Englisch. An der Fachhochschule gibt es ganze Programme mit deutsch, schwedisch
oder englisch als Unterrichtssprache. Die englische Klasse bestand zur Hälfte
aus Finnen und aus ausländischen Studenten, die zumeist ihr gesamtes Studium in
Finnland absolvierten und nicht nur "auf Austausch" da waren. Die meisten von
ihnen waren keine Westeuropäer oder die omnipräsenten Amerikaner sondern
Osteuropäer, Asiaten und Afrikaner, was das Studium in Finnland unerwartet
exotisch und interessant machte.
Das Studium selbst ist stark
durchorganisiert, es gibt Kurse von 4- 8 Wochen Dauer. Die Kurse sind für die
einzelnen Klassen vorgegeben, man kann jedoch sehr flexibel seinen Stundenplan
ergänzen oder individuell umgestalten. Alle Vorlesungen finden in festgelegten
"Zeitfenstern" statt, wodurch Überschneidungen minimiert werden.
Als Austauschstudenten konnten wir unseren
Stundenplan aus allen drei Jahrgängen frei zusammenstellen. Leider fanden die
meisten wirklich interessanten längeren Kurse ausländischer Gastdozenten im
Wintersemester statt, so dass ich sie wegen meines Singapuraufenthaltes nicht
besuchen konnte. Das Asian Pacific Trade and Culture Modul fügt sich eben leider
nur theoretisch perfekt in den Vorlesungsplan ein. Dieses Programm, das von
Vaasa betreut wird und in Singapur an der privaten IBMEC stattfindet, bietet
einen tiefen Einblick in ostasiatische Kulturen und Geschäftspraktiken, zumal es
von Einheimischen doziert wird, die größtenteils selbst in der Region als
Geschäftsleute tätig waren oder sind und den vermittelten Stoff mit
Erfahrungsberichten anschaulich machen.
Der Unterricht findet
im Klassenverbund mit finnischen Studenten statt, es gibt also keine
einheimischen Kommilitonen. Man lernt so gut wie keine "locals" kennen und
erlebt Singapur quasi nur aus der Touristenperspektive, was nach einigen Wochen
die Begeisterung über diese aufregende und auf ihre Art sehr schöne Stadt
deutlich dämpft. Der ausgeprägt frontale, unkritische und für eine post-graduate
Klasse unangemessen reproduktive asiatische Unterrichtsstil tut das seinige
dazu.
Wirklich empfehlen kann man dieses
kostspielige Programm daher nur als Ausgangsplattform für Praktika in der
Region, wozu es ja eigentlich auch gedacht ist.
Zum Schluss noch etwas über die Betreuung
und Unterbringung vor Ort: möblierte Zimmer für Austauschstudenten gibt es nur
auf der Universitäts-Halbinsel Paalosari, die von der FH rund 7 Kilometer
entfernt ist. Wer damit kein Problem hat, wird problemlos einquartiert, ohne
sich um irgend etwas kümmern zu müssen. Außerdem stehen Haushaltsgegenstände wie
Besteck, Geschirr, Kissen, Matratzen usw. leihweise zur Verfügung. Man kann aber
auch alles sehr günstig in Second-Hand Läden kaufen. Wem es - wie mir- in
Paalosari nicht gefällt, der kann problemlos umziehen. Man muss sich dann halt
nur Möbel organisieren.
Auf ein evt. vorhandenes eigenes Auto sollte
man im Winter verzichten, will man sich nicht die dort vorgeschriebenen und
hierzulande verbotenen Reifen mit Spikes anschaffen. Außerdem benötigt man
spezielle Parkplätze mit Stromversorgung für die gebeutelte Batterie.
Ein eigener PC ist sinnvoll aber nicht
lebensnotwendig, da die ausreichenden Computersäle am späten Nachmittag
geschlossen werden. Unsere Betreuerin stand uns jederzeit hilfreich zur Seite,
wobei man aufgrund der transparenten und flexiblen Unterrichtsplanung nur selten
auf Hilfe angewiesen war. Außerdem gab es ja noch die Tutoren, die einem in
Fragen des täglichen Lebens weiterhalfen.
Sehr angenehm ist in diesem Zusammenhang der
Klassenverbund, der es einem sehr leicht macht, Kontakte zu knüpfen. Des
Weiteren gibt es den "international Club" von Austauschstudenten an der Uni, die
finnlandweit tolle Trips nach Lappland und Russland organisieren und sich
wöchentlich zum Stammtisch treffen.
Frank Buchholz
Frank.und.frei@gmx.de
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2002
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